Zeckenenzephalitis: Erste Ansteckungen im Wallis
Im Wallis haben zwei Studien aus den Jahren 2009 und 2010 aufgezeigt, dass in Gebieten bei Raron und Pfyn Zecken vorkommen, die das Zeckenenzephalitis-Virus beherbergen. Eine neue Studie aus diesem Jahr bestätigt diese und meldet zwei weitere Naturherde, die sich ebenfalls auf der linken Rottenseite zwischen Visp und Siders befinden. Es sind im Wallis zudem zwei infizierte Personen (ein bestätigter und ein vermuteter Fall) registriert worden. Zusätzlich zu den allgemeinen Vorsichtsmassnahmen gegen Zeckenstiche ist es empfohlen, dass erwachsene Personen sowie Kinder ab 6 Jahren, welche in Endemiegebieten wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten, sich impfen lassen. Eine Impfung erübrigt sich für Personen, die kein Expositionsrisiko haben.
Zwei Krankheiten, die von Zecken übertragen werden
Die Zeckenenzephalitis ist eine in der Schweiz relativ selten auftretende Viruserkrankung (ungefähr 2 Fälle / 100‘000 Einwohner / Jahr). Sie unterscheidet sich von der Lyme-Borreliose, die durch Bakterien verursacht wird und häufiger auftritt (115-155 Fälle / 100‘000 Einwohner / Jahr). Beide Krankheitserreger werden durch Zeckenstiche übertragen. Gegen Zeckenenzephalitis existiert eine Impfung, jedoch keine spezifischen Medikamente. Die Lyme-Borreliose kann mit Antibiotika bekämpft werden, gegen sie gibt es jedoch keinen Impfstoff.
Das Zeckenenzephalitis- Virus löst in den meisten Fällen keine Krankheitszeichen aus oder führt nur zu einem milden Krankheitsschub, der sich wie eine leichte Grippe anfühlt. Nur eine Minderheit der infizierten Personen erkrankt so schwer, dass sie wegen Kopfschmerzen oder weiteren Symptomen, die auf eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung hinweisen, einen Arzt aufsucht. Eine solche Entzündung kann zu Folgeschäden und in seltenen Fällen zum Tod führen.
Erste Zeckenenzephalitis-Fälle im Wallis

Auf der linken Rottenseite zwischen Visp und Siders wurden in den letzten Jahren vier Naturherde mit Zecken, die das Zeckenenzephalitis- Virus tragen, erfasst. Zwei Naturherde wurden 2009 von einer eidgenössischen Studie in der Region Pfyn und Raron erfasst. Das Zentralinstitut der Walliser Spitäler (ZIWS) hat 2010 und 2011 zwei weitere Studien durchgeführt, bei denen zwei benachbarte Naturherde gefunden wurden.
Die ZIWS-Studien untersuchten das gesamte Kantonsgebiet und zeigen, dass das Zeckenenzephalitis-Virus nur in geografisch beschränkten Naturherden vorkommt und bei weniger als 1% der untersuchten Zecken auftritt. Hingegen ist das Bakterium, das die Lyme-Borreliose hervorruft, weiter verbreitet. Mehr als 40% der analysierten Zecken waren Träger.
Eine Person ist diesen Sommer an Zeckenenzephalitis erkrankt, nachdem sie in einem der oben beschriebenen Gebiete von einer Zecke gestochen wurde. Eine weitere Person, die sich ebenfalls in einem der Gebiete aufgehalten hat, wurde wahrscheinlich ebenfalls mit dem Virus infiziert.
Präventionsmassnahmen und Impfung
Zecken halten sich bevorzugt in mittelgradig feuchten Stellen in Laub- und Mischwäldern mit üppigem Unterholz sowie in Gras- und Buschland entlang von Seen und Flüssen bis ca. 1‘500 Höhenmeter auf. Sie sind bei Temperaturen über 7 Grad von Frühling bis Winter aktiv.
Um eine Ansteckung mit Lyme- Borreliose oder Zeckenenzephalitis zu verhindern, ist es wichtig, sich gegen Zeckenstiche zu schützen und in Zeckengebieten folgende Schutzmassnahmen zu ergreifen:
• Langärmlige, gut abschliessende Kleidung tragen;
• Berührung mit Unterholz und Gebüsch entlang der Wege vermeiden;
• Zecken- Schutzmittel auf die Haut oder die Kleidung auftragen;
• Nach der Wanderung die Kleidung und den Körper sorgfältig auf Zecken absuchen: Zecken bevorzugen warme, feuchte und dünne Hautpartien wie Kniekehlen, Innenseite der Oberschenkel, Leisten, Hals, Nacken, Achselhöhlen; bei Kindern ist häufig auch der behaarte Kopf befallen.
• Bei einem Zeckenstich sollte die Zecke so schnell wie möglich entfernt werden, am besten mit einer Pinzette durch Fassen direkt über der Haut und durch gleichmässigen Zug, anschliessend sollte die Stichstelle desinfiziert werden.
Um eine Zeckenenzephalitis zu verhindern, kann man sich beim Hausarzt impfen lassen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, dass erwachsene Personen sowie Kinder ab 6 Jahren, welche in Endemiegebieten wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten, sich gegen FSME impfen lassen. Eine Impfung erübrigt sich für Personen, die kein Expositionsrisiko haben. Sie wird in drei Dosen über einen Zeitraum von 6 bis 10 Monaten verabreicht und bleibt während 10 Jahren wirksam.